BhW Niederösterreich vergibt erstmals Preise für Barrierefreiheit

Vorbild Barrierefreiheit 2018
Vorbild Barrierefreiheit 2018 (Foto: BhW / Gerald Lechner)

In der Niederösterreichischen Landesbibliothek wurde Ende Oktober 2018 erstmals der Preis „Vorbild Barrierefreiheit“ in NÖ im Beisein zahlreicher Gäste vergeben.

Die BhW Niederösterreich GmbH ist eine Erwachsenenbildungseinrichtung, die gemäß ihrem Slogan „Bildung hat Wert“ aktuelle, gesellschaftsrelevante Themen aufgreift und Bildungsangebote in den Gemeinden unterstützt. Neben Basisbildungsangeboten, Jugendcoaching, Bildungsberatung, Zeitpunkt Lesen und Bildungsehrenamt ist „Barrierefreiheit“ seit Jahren ein wesentliches Aufgabengebiet der BhW Bildungsarbeit. Nun wurde zum ersten Mal der Preis „Vorbild Barrierefreiheit 2018“ vergeben. „Barrierefreiheit heißt selbstbestimmt, dient der Vermeidung von Diskriminierung und hilft der Gesellschaft“, so Martin Lammerhuber, Holdinggeschäftsführer Kultur.Region.Niederösterreich

Eine gleichberechtigte und selbstständige Teilhabe am öffentlichen Leben muss für alle Menschen gegeben sein. „BhW barrierefrei“leistet in diesem Sinne in ganz Niederösterreich Informations- und Sensibilisierungsarbeit zu den Themen „Inklusion“, „Behinderung“, „Barrierefreiheit“ und „altersgerechte Gesellschaft“.

Vorbilder vor den Vorhang

Mit der BhW Auszeichnung „Vorbild Barrierefreiheit 2018“ werden Betriebe, Gemeinden, Organisationen, Veranstaltungen, Institutionen oder Projekte in Niederösterreich geehrt, die erfolgreich Maßnahmen zur Erhöhung der Barrierefreiheit umgesetzt haben. Barrierefreiheit kann nicht immer zu 100 Prozent verwirklicht werden, aber es ist wichtig, dass viele Initiativen gesetzt werden, um sich dem Ziel einer barrierefreien Umwelt für alle zu nähern.

Als Vorbilder sollen die Ausgezeichneten weitere Verantwortliche und Akteurinnen und Akteure in den Regionen motivieren, sich des Themas Barrierefreiheit künftig verstärkt anzunehmen. In den folgenden Kategorien wurde die Auszeichnung verliehen: Gemeinden, Wirtschaft/Tourismus, Kultur/Veranstaltungen, Personen/Institutionen und Bildung/Kommunikation.

Preisträger „Vorbild Barrierefreiheit 2018“

In der Kategorie Institutionen/Personen sind die Vereine Spielerpass und Club 81 die Preisträger.

Spielerpass, Obmann Niklas Karner, Krems an der Donau

Der Verein bietet Menschen mit Behinderungen materielle und soziale Unterstützung im Bereich Sport und Bewegung. Mit dem Ziel, Spielfreude zu vermitteln und das gesellschaftliche Bewusstsein für Inklusion und Nachhaltigkeit zu stärken, setzt sich die gemeinnützige Organisation ehrenamtlich für Special Needs Teams und inklusive Mannschaften in Niederösterreich ein.

Neben großen Fußballturnieren, mit Unterstützung vom berühmten Fußballern, organisiert der Verein ehrenamtlich Trainingscamps, Diskussionssymposien, Inklusionsquizze und das abgeschlossene Projekt „Balltonnen“. Ein vergleichbares Projekt mit diesem ehrenamtlichen Aufwand gibt es in Niederösterreich nicht.

Club 81, Obmann Josef Schoisengeyer, St. Pölten

Der Club 81 in St. Pölten, der das Ziel der Integration behinderter Menschen verfolgt, bietet gesellige Zusammenkünfte mit der Möglichkeit zur Kontaktfindung, Rehabilitationshilfen, Information und Beratung, den Besuch kultureller Veranstaltungen, den 1. NÖ Behindertenfahrtendienst St. Pölten (Partner ist Funk-Taxi Rittner), Reisen und Ausflüge mit einem rollstuhlgerechten Luxusreisebus. Bei Reisen und Ausflügen begleiten ehrenamtliche HelferInnen des Roten Kreuzes Prinzersdorf. Weiters wird die Vermittlung von behindertengerechten Urlaubsquartieren und die Führerscheinausbildung in Zusammenarbeit mit den Fahrschulen angeboten. Obmann Josef Schoisengeyer ist auch Mitglied des NÖ Monitoringausschusses.

Informationen über alle Preisträger finden sich auf: https://www.bhw-n.eu/no_cache/aktuelles/news-detail/artikel/erstmals-barrierefrei-preis-in.html?utm_source=bhw-newsletter&utm_medium=email&utm_campaign=newsletter_11-2018

Preisverleihung an Club 81 Obmann Josef Schoisengeyer
Preisverleihung an Club 81 Obmann Josef Schoisengeyer (Foto: BhW / Gerald Lechner)

Kinder mit Behinderungen: 200.000 Euro für Hilfsmittel für NÖ Kindergarten- und Schulalltag

„Im Jahr 2017 wurden in Niederösterreich Geräte und Softwaretools im Wert von mehr als 200.000 Euro für Schul- und Kindergartenkinder mit Behinderungen zur Bewältigung des Kindergarten- und Schulalltags zur Verfügung gestellt“, zieht Bildungs-Landesrätin Barbara Schwarz Bilanz. Dazu zählten etwa fünf Tafellesesysteme, drei Augensteuerungssysteme, drei Sprachsynthesizer und 36 Spezialsoftwarelösungen (Vergrößerungssoftware, Kommunikationsprogramme, etc.) für Kinder, die nur eingeschränkt oder gar nicht sprechen können. 17 neue Funkübertragungsanlagen erleichtern nun die Kommunikation zwischen Pädagoginnen und Kindern mit Höreinschränkungen. Aber auch Therapiestühle, Leuchten, Halterungen oder spezielle Lesepulte wurden bei Bedarf zur Erleichterung des Schul- bzw. Kindergartenalltags zur Verfügung gestellt.

Das Prozedere funktioniert unbürokratisch und rasch: Das NÖ Medienzentrum kauft diese Geräte an und verleiht sie je nach Bedarf an Gemeinden als Schul- und Kindergartenerhalter. (www.noemedia.at/)

Die 100-prozentige Förderung des Landes Niederösterreich für diese Hilfsmittel erleichtert den Schul- und Kindergartenalltag für die Kinder ebenso wie für die Pädagoginnen und Pädagogen und das Betreuungspersonal in den NÖ Pflichtschulen und in den NÖ Landeskindergärten. Im Zusammenspiel von Familien und Bildungs- und Betreuungseinrichtungen ist es das Ziel, jedes Kind an seine größtmögliche Selbstständigkeit heranzuführen und ihnen gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Jedes Kind hat das Recht auf eine seinen individuellen Möglichkeiten entsprechende Bildung, damit es beruflich und sozial seinen Platz finden kann.

Quelle: NÖ Landeskorrespondenz

 

Barrierefreiheit: Alle Türen müssen nun leicht bedienbar sein

Türe
Foto: Tanja Lidke / pixelio.de

Der in Österreich geltende Stand der Technik, um die gebaute Umwelt barrierefrei zu gestalten, ist die ÖNORM B 1600. Sie enthält Planungsgrundsätze für bauliche Maßnahmen, Einrichtungen und Ausstattungen sowie Kennzeichnungen, die notwendig sind, um die unterschiedlichen physischen Möglichkeiten von Menschen berücksichtigen zu können.

Damit soll Menschen mit Behinderungen und auch vorübergehend beeinträchtigten Personen ermöglicht werden, Gebäude und Anlagen weitgehend ohne fremde Hilfe zu benutzen. Außerdem ist es damit einfacher, auch bei einer plötzlich eintretenden Behinderung und im Alter mit nur geringfügigen Adaptierungen in der gewohnten Umgebung zu bleiben.

Die Norm sagt aber ausdrücklich nicht, ob ein Gebäude barrierefrei ausgeführt werden muss – das ist Aufgabe des Gesetzgebers bzw. des Bauherrn -, sondern sie sagt, wie man diese Aufgabe am besten und im Sinne aller Betroffenen löst.

Die zuletzt gültige Ausgabe aus dem Jahr 2013 wurde nun in einem speziellen Kapitel überarbeitet: konkret bei den Bedienkräften von Türen. Die Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten für Wien, Niederösterreich und Burgenland hatte dazu einen entsprechenden Projektantrag bei Austrian Standards eingebracht. Der Vorschlag wurde einem öffentlichen Anhörungsverfahren unterzogen und der Abschnitt 5.1.5 „Türen“ geändert. Kernaussage: „Türen mit und ohne Türschließer müssen im Regelbetrieb leicht bedienbar sein.“ Wie dies erreicht werden kann, beschreibt nun die Neuausgabe, die seit 1. April 2017 vorliegt.

Weitere Informationen: https://www.austrian-standards.at/barrierefrei